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![]() Das war die heisse Rock-NachtDie Rory Gallagher Band, Little Feat und Roger McGuinn's Thunderbyrd, 200 Leute in der Crew, 5000 im Publikum, 20 Millionen Fernsehzuschauer und sechs TV-Kameras waren an der längsten Rock-Nacht des Jahres beteiligt: dem Rockpalast Festival in der Essener Grugahalle. JOKER war dabei So war's in der Grugahalle: Den ersten Applaus gab's schon bei den Proben
• Es war das erste Rockfestival auf dem Kontinent, das erst eine Stunde vor Mitternacht begann und bis zum wolkenverhangenen Sonnenaufgang dauerte, • es war die erste Rockveranstaltung überhaupt, die gleichzeitig live im Fernsehen und Stereo im Hörfunk in neun europäische Länder übertragen wurde, • es war das erste Rock-Ereignis, das nach autorisierten Schätzungen rund zwanzig Millionen Zuschauer am Bildschirm zusammenbrachte • und es war die mit Ausnahme der Mondlandungs-Ubertragung und der Olympia-Berichterstattung längste ununterbrochene Livesendung, die es im deutschen Fernsehen je gegeben hat. Es war in einem Wort gesagt, das Rockpalast Festival des Westdeutschen Rundfunks.
Gallagher's Band war sicherlich der „Absahner” des Festivals und das wird ihm niemand neiden. Getragen vom Enthusiasmus der 5000 im Gruga-Auditorium rackerte Rory wie ein Besessener. Von Ermüdung nach etlichen Profijahren keine Spur, stattdessen 90 Minuten Rockmusik at it's best. Hinter der Bühne konzentrierte Arbeit und das beginnende Gefühl von Erleichterung: Das Ding läuft. Peter Rüchel, Redakteur und Leiter der Sendung, der am Tag zuvor gesagt hat: „Wenn mir noch jemand etwas von seinem Pessimus erzählt, mach ich einfach die Ohren zu”, kann wieder lächelen. Mir fällt auf, daß sich im Gegensatz zu so vielen anderen Festivals anstelle des „Wer ist denn hier Der Größte?" ein Team-Gefühl breitgemacht hat, bei dem jeder weiß daß es auf ihn, aber ebenso auf die anderen Beteiligten des Unternehmens ankommt. Nach Rorys Gewaltkur hatte Little Feat, Amerikas unterbewertete Supergruppe, einen etwas
schweren Stand. Sie hatten in der Halle nicht unbedingt „ihr” Publikum und so hing die Feat-Musik bei aller Ausgeklügeltheit und aller swingender Perfektion ein wenig in der Luft.
So war's im Fernsehen: Guter Ton mit schlechten Sprechern Noch die Zeitansage im Ohr („Vier Uhr achtundvierzig")
fragte man sich am Sonntagmorgen: War es ein Traum, oder war es Wirklichkeit? Fünfdreiviertel Stunden Rock non stop im deutschen Fernsehen?! D a ß so etwas geschehen ist beeindruckt viel
stärker als w i e es geschehen ist.
Die parallele Stereo-Ubertragung aus dem Radio überspielte den sonst so kümmerlichen Fernsehton und wertete das TV-Ereignis entscheidend auf.
Die miserable Moderation glich einer Zumutung. Hilfloses Geholper von den äußerst schlecht vor- bereiteten Sprechern bereitete dem TV-Zuschauer eine peinliche Pein nach der andern. Die Gespräche mit den Musikern blieben in der Idee stecken. Die Fragen waren zu banal, die Moderatoren völlig humorlos. Wer' z. B. Roger McGuinn auf eine Wiedergeburt der Byrds anspricht und nicht auf die kürzlich spektakulär geplatzte Drei-Original-Byrds-Tournee kommt, ist einfach nicht im Bilde. Ingrid Blum Ingrid Blum und Holger Krüssmann Musik Joker - Zeitung für Musik und Freizeit nr. 17/77 vom 8. bis 21. August erschien 14 täglich in der Axel Springer Verlag AG Mit freundlicher Genehmigung von Holger Krüssmann, Ingrid Blum konnte ich bisher nicht erreichen! | |||||||||||